Altsteinzeitliche Schatztruhe
Unter der Travertinschicht konservierte der Lagerplatz des Homo erectus bilzingslebenensis im weichen Sand eines einstmals vorhandenen Sees. Neben Steingeräten wurden erstmals in Mitteleuropa in größerem Umfang Knochen- und Geweihwerkzeuge, Feuerstellen und Arbeitsplätze ausgegraben. Zahlreiche Pflanzen- und Tierreste erlauben den Forschern eine genaue Rekonstruktion der Umweltbedingungen jener Zeit. Bis heute wurden 37 Reste des frühen Menschen freigelegt. Das bisher geborgene Fundmaterial umfasst mehr als 140.000 Feuersteinartefakte, tausende andere Geräte aus Stein, Knochen, Geweih, Elfenbein und Holz sowie mehrere Tonnen an tierischen Überresten und botanischem Material. Anhand dieser Funde kann die Kultur und Umwelt des frühen Menschen mit hoher Genauigkeit rekonstruiert werden.
Eine einzigartige Besonderheit in Bilzingsleben ist ein nahezu kreisrundes Areal, das durch das planvolle Eindrücken von tierischen Überresten und Knochen in den weichen Ufersand entstanden ist. Ein Teil des Knochenpflasters wurde geborgen und ist im Sachsen-Anhaltinischen Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen. Der andere Teil ist als Originalfund noch immer auf der „Steinrinne“ in Bilzingsleben zu besichtigen. Über die Bedeutung dieses Fundes gibt es seither viele Spekulationen in Wissenschaftskreisen. Ob es sich hier um einen altpaläolithischen Ritusplatz handelt, kann nur gemutmaßt werden.