StartseiteStartseitesuchen ...
Dienstag, 7. September 2010

Zur Geschichte des Landkreises Sömmerda
Die fruchtbaren Ebenen des "Thüringer Beckens" gehörten bereits in urgeschichtlicher Zeit zum Altsiedelgebiet des Menschen. So befindet sich bei Bilzingsleben eine Fundstelle mit einzigartigen Zeugnissen von Lebensspuren und Skelettresten des frühen Menschen, wie er vor etwa 400.000 Jahren in Mitteleuropa lebte.

Sichtbare Zeugnisse der Besiedlung in der Bronzezeit ragen noch heute in Form verschiedener Grabhügel aus der Landschaft. Besonders hervorzuheben sind hier die bei Leubingen gemachten Funde unter anderem im Leubinger Häuptlingsgrab, das heute als Rekonstruktion im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar zu sehen ist. Die jahrhundertlange Siedlungskontinuität wird weiterhin durch bedeutende archäologische Funde aus der Germanenzeit - hier sei das 1913 entdeckte Fürstengrab von Haßleben genannt - bezeugt.

Seit dem 5. Jahrhundert gehörte das Kreisgebiet zum Thüringer Königreich, dessen Gebiet nach 531 unter fränkischen Einfluss geriet. Einhergehend mit der Eingliederung Thüringens in das Frankenreich vollzog sich seit dem 8. Jahrhundert die zunehmende Christianisierung. Diese wurde wesentlich durch den Erwerb umfangreicher Besitzstände der hessischen Klöster und Stifte Fulda und Hersfeld in unserer Region befördert. Viele Orte des Landkreises werden dadurch im 8. und 9. Jahrhundert erstmals in schriftlichen Quellen fassbar.

Zu den mächtigsten Feudalherren des Mittelalters im Kreis gehörten die Landgrafen von Thüringen, die vor allem durch die Gründung der Runneburg und der Stadt Weißensee hervortraten, sowie durch die Grafen von Beichlingen, Gleichen und Hohnstein. Letztere wurden Mitte des 14. Jahrhunderts durch die Grafen von Schwarzburg abgelöst. Aber auch die Stadt Erfurt verfügte im Mittelalter über Territorialbesitz im Kreis.

Durch den Ausbau der Landeshoheit im Mittelalter kam es zur Entstehung der Städte Weißensee, Kindelbrück, Kölleda, Buttstädt, Rastenberg und Sömmerda - Ackerbürgerstädte, deren wirtschaftliches Leben stark von der Landwirtschaft geprägt war, unter anderem durch die Schafzucht und den Anbau von Waid, der Göttergabe Thüringens.

Die geistigen und kulturellen Veränderungen der Reformation prägten die folgenden Jahrhunderte entscheidend. Traditionen in Bildung und Kultur Thüringens haben hier ihren Ursprung und wirkten bis weit in die Neuzeit hinein. Eine dieser Traditionen ist die besonders in unserer Region gepflegte dörfliche Musikkultur der "Adjuvanten" aus der berühmte Musikerfamilien, wie die Bachs, hervorgegangen sind.

Nach der wettinischen Teilung von 1485 teilte sich auch das Kreisgebiet in albertinische und ernestinische Beitzungen. Das albertinische Gebiet wurde im 19. Jahrhundert überwiegend preußisch, während die ernestinischen Gebiete weitestgehend an das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, seit 1903 Großherzogtum Sachsen, gelangten. Die vormals erfurtisch-kurmainzischen Besitzungen im Kreis, unter anderem Sömmerda, waren 1802 an Preußen gefallen und wurden nach einem kurzen französischen Intermezzo im Jahre 1815 erneut von Preußen in Besitz genommen.

Auch nach der Abdankung der thüringischen Fürstenhäuser 1918 und der Bildung des Landes Thüringen im Jahre 1920 gehörten die Orte des heutigen Kreises weiter unterschiedlichen Territorien an. Die ernestinischen Gebiete um Rastenberg, Buttstädt und den Amtssitz Großrudestedt lagen im thüringischen Kreis Weimar. Die thüringisch-preußischen Gebietsteile waren in den Kreisen Eckartsberga (mit Kreisstadt Kölleda), Erfurt und Weißensee zusammengefasst. Die Kreise Erfurt und Weißensee wurden 1932 zu einem neuen Kreis Weißensee zusammengefasst und gelangten schließlich 1945 an das Land Thüringen.

Erst mit dem Abschluss der Zentralisierung von Wirtschaft und Verwaltung in der DDR und der damit einhergehende Auflösung der Länder, entstand im Jahre 1952 der Landkreis Sömmerda als Teil des Bezirkes Erfurt. Dabei wurden auch Ortschaften des aufgelösten Kreises Kölleda eingegliedert.

Seit 1990 gehört der Kreis zum neu gebildeten Land Thüringen. Im Jahre 1994, nach Inkrafttreten des Thüringer Neugliederungsgesetzes, bildete sich der Landkreis Sömmerda neu. Aus den aufgelösten Landkreisen Artern und Erfurt-Land wurden 20 Gemeinden in den neuen Landkreis Sömmerda integriert. Er besteht heute aus 48 Gemeinden und 7 Städten.


(Quelle: Boblenz, Frank: Überblick über die Territorialgeschichte des Landkreises Sömmerda vom Ende des 14. Jahrhunderts bis 1994. - In: Sömmerdaer Heimatheft 5, 1994, S. 9-49.)

Top ... Top Startseite suchen ... Startseite Disclaimer
Autor: Pressestelle veröffentlicht: 29.03.2007 17:19:42
Andere Benutzer besuchten auch diese Seiten aktuelle Webstatistik
User Online: 0
Websites Online: 540
Dokumente Online: 907
Kategorien Online: 570
Keywords Online: 842644