Engagierte Arbeit:
Das Seniorenbüro Frömmstedt ist eine Infrastruktureinrichtung für ehrenamtliches Engagement im Landkreis Sömmerda im Nordwesten Thüringens. Als einziges Seniorenbüro der neuen Bundesländer wurde es 1993 in der Modellprogrammphase in Trägerschaft einer Kirchengemeinde gegründet. Es wird inhaltlich zu einem großen Teil von Mitbegründer Jens Bechtloff, Pfarrer der Regionalgemeinde Kindelbrück, begleitet.
Seniorenbüroarbeit im strukturschwachen, ländlichen Raum:
Jens Bechtloff sieht die Unterstützung von Interessengruppen als eine wichtige Strategie zur Aktivierung älterer Menschen, insbesondere in den neuen Bundesländern. Traditionelle Ansätze der Altenarbeit sind hier zwar vorhanden, müssen aber an neue soziale, politische und institutionelle Umstände angepasst werden. Die Seniorenbüros sind dabei wichtige Initiatoren, um vor allem neue ältere Bürgerinnen und Bürger zu motivieren und schrittweise an ehrenamtliches Engagement heranzuführen.
Das Seniorenbüro, das seinen Sitz (ganz bewusst) nicht in der Kreisstadt Sömmerda genommen hat, sondern in der kleinen Gemeinde Frömmstedt, will damit auch ein Zeichen setzen, wie Seniorenbüroarbeit im strukturschwachen, ländlichen Raum funktionieren kann.
Bleibende Aufgabe ist es dabei, vorhandene Netzwerkansätze und Angebote weiter auszubauen und so in die Region (Landkreis Sömmerda) als Impulsgeber auszustrahlen, gleichzeitig aber auch offen für Anregungen von außen zu bleiben und Senioren zum Mitmachen anzuregen.
Durch die wachsende Zusammenarbeit mit anderen Trägern und Einrichtungen, aber auch durch kontinuierliche, breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit ist es mittlerweile gelungen, das Seniorenbüro in die lokale Altenarbeit des Landkreises als geschätzte, trägerübergreifende Einrichtung zu etablieren. Hobbygalerie, Schreibwerkstatt, Sängertreffen, Erzählcafé und Internet-Café haben sich längst zu populären, gut besuchten Veranstaltungen entwickelt.
Hilfe und Pflege im Alter zu Hause:
Ein neuer Tätigkeitsschwerpunkt des Seniorenbüros ist, Betreuungs- und Pflegebedürftige und deren Angehörige umfangreich über vorhandene Leistungsangebote zu informieren, diese zu vermitteln und Familien zu entlasten. Gerade in Thüringen, wo die Überalterung der Gesellschaft weiter vorangeschritten ist als vergleichsweise in den alten Bundesländern, wirkt sich dieser Faktor bereits jetzt stärker aus und verlangt nach geeigneten Maßnahmen.
Das Projekt »Hilfe und Pflege im Alter zu Hause« sieht deshalb die Aufgabe professioneller und menschenwürdiger ambulanter Pflege als große Herausforderung für Staat und Gesellschaft, die ohne die Einbindung und gezielte Schulung ehrenamtlich tätiger Personen und ohne den Ausbau solider Unterstützungsnetzwerke nicht zu bewältigen sein wird.
Neuer Kinder- und Jugendspielplatz als Brücke zwischen den Generationen:
Das Seniorenbüro Frömmstedt beteiligt sich auch am 2005 gestarteten Bundesmodellprogramm des generationsübergreifenden Freiwilligendienstes »Ge-Mit«. Kooperationspartner sind das Seniorenbüro Schmalkalden und das Diakonische Werk Kassel.
Gleich zu Beginn des Modellprojekts begann ein altersgemischtes Team mit der Entwicklung eines neuen Kinder- und Jugendspielplatzes in Frömmstedt. Nach mehreren Bauabschnitten konnte dieser im Sommer 2006 der Öffentlichkeit übergeben werden. Dass diese von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen begeistert aufgenommene Anlage so schnell realisiert werden konnte, verdankt sich neben dem aktiven Einsatz der fünf hochmotivierten jungen und alten Freiwilligen auch der unbürokratischen Bereitstellung von Sachkosten für Materialien und Spielgeräten seitens der Kommune.
Alt hilft Jung – auch in Migranten-Familien:
Ein weiteres Teilprojekt im Rahmen von »Ge-Mit« widmet sich der Integration von Migranten/innen. Zusammen mit einem weiteren Kooperationspartner, dem Bund der Vertriebenen, unterstützt ein Team von gut eingebürgerten Russland-Deutschen in der Kreisstadt Sömmerda Kinder und Jugendliche aus ihrer Heimat dabei, in der deutschen Schule und im Alltag Fuß zu fassen.
Das gut angelaufene Projekt soll auch auf andere Nationalitäten ausgeweitet werden, wobei ein Baustein zum Erfolg darin liegt, die verantwortungsvolle Aufgabe an ehemalige Migranten/innen aus den jeweils eigenen Reihen zu vergeben, die die Sozialisation im fremden Sprach- und Kulturraum selber durchlaufen haben.